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Presse

Blogbeitrag der Internetseite text-manufaktur.de

Das Originalinterview (14. Dezember 2022) auf der genannten Webseite finden sie über diesen Link: Interview

Heidi Grund-Thorpe, Sie haben den Sprung in einen renommierten Buchverlag geschafft: In diesem Jahr ist Ihr zweiter Roman bei Piper erschienen. Sie schreiben aber schon länger, oder? 

 

Bücher sind seit mehr als 25 Jahren mein Metier, allerdings im Sachbuchbereich. Ich habe als Autorin und Producerin eine große Bandbreite an kreativen Themen für Erwachsene und Kinder veröffentlicht, angefangen vom Basteln über Stricken bis zum Nähen und Dekorieren. Mit dem Schreiben an meinem Roman habe ich 2016 begonnen.

 

Was hat den Impuls gegeben, sich an einen Roman zu wagen? / Gab es z.B. einen Punkt, wo Sie sich gesagt haben: Jetzt will ich es wissen und einen Roman schreiben, der dann auch in den Buchhandlungen steht? 

 

Ich hatte tatsächlich schon lange den Wunsch, einen Roman zu schreiben. 2015 kam ich an einen Wendepunkt in meinem Leben und habe beschlossen, dass nun der Zeitpunkt dafür gekommen sei. Dafür habe ich andere Tätigkeiten aufgegeben, um die Zeit erübrigen zu können.

 

Ihre Romane spielen in den bayerischen Alpen und werden vom Verlag als „moderne Heimatromane“ beworben. Ging es Ihnen darum, Heimat neu zu verorten? Oder was war der Anstoß für Ihr Setting?

 

Für mich war ursprünglich nicht der „moderne Heimatroman“ ausschlaggebend, das hat der Verlag im Nachhinein formuliert. Trotzdem ist bei beiden Romanen die Heimat in den Bergen der Schwerpunkt, darüber hinaus geht es aber auch um die Beziehungsgeschichten zwischen Großmüttern und ihren Enkelinnen und, ihr Zuhause und damit auch die Heimat zu finden bzw. wiederzufinden. Die location fasziniert mich, da ich selbst gerne in den Alpen unterwegs bin. Dabei habe ich bei den verschiedensten Geegenheiten bemerkt, dass die nach außen hin gern vermittelte „heile Welt“, wie sie touristisch ausgeschlachtet wird, durchaus trügerischer und brüchiger ist, als vermutet. Probleme gibt es überall, ich wage zu behaupten, besonders in den kleinen Ortschaften, in denen die Menschen sich gerade deshalb gut kennen, weil sie aufeinander angewiesen sind. Das bedeutet aber auch, dass die Menschen leichter angreifbar sind, da man die Schwachpunkte und Probleme der anderen kennt. Der Zwang der Gemeinschaft, sich in einem gesellschaftlich genormten Rahmen zu bewegen, ist dort besonders groß.

 

Sie haben an der dreiteiligen Romanwerkstatt der Textmanufaktur teilgenommen. (könntest Du hier bitte noch ergänzen, wann das war?). Hat das Ihren Schreibprozess verändert? / Was hat es Ihnen gebraucht? 

 

Ich habe 2015 das 18monatige Fernstudium „Prosaschreiben“ der Textmanufaktur begonnen. Da ich beruflich ziemlich eingespannt war, musste ich die Bearbeitungsdauer der Seminarunterlagen auf knapp 3 Jahre verlängern, zum Glück ist mir die Textmanufaktur dabei entgegengekommen . 2018/19 habe ich an drei zusammenhängenden Wochenendseminaren der Textmanufaktur in Berlin teilgenommen. Besonders wichtig war für mich das Fernstudium, ich hatte dadurch  überaus qualifizierte Grundlagen für das Schreiben eines Romans an der Hand. Besonders wichtig dabei waren auch die Reflektionen und Anregungen der Lektorin von der Textmanufaktur, die meine Aufgaben bearbeitete. Die Wochenendseminare halfen mir, bestimmte Schwerpunkte in meinem Manuskript und meiner eigenen Ausrichtung zu setzen.

 

Von den Wochenendseminaren war ich ziemlich enttäuscht, es war eine sehr laxe Handhabe. „Heute und morgen wird es sehr heiß, unerträglich zum Arbeiten. Wir fangen eine Stunde später an, kürzen die Mittagpause auf die Hälfte, dort könnt ihr schon vorarbeiten, und hören eine Stunde früher auf.“ Dafür buche ich ein Wochenende im Hotel, die Anfahrt etc. Ich habe das leider als einzige kritisch angebracht … ich habe aber bei den beiden Damen gelernt, dass man auch mal auf die eigenen Ideen bestehen sollte. Auch wenn sie sich nicht vorstellen konnten (bei einer anderen Teilnehmerin), dass ein Verlag veröffentlicht, wenn man einen Roman mit einem Todesfall beginnt. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich habe gesehen, dass in dieser Kombination das Seminar nicht mehr stattfindet, obwohl beide sicher ein großes Renommee haben. Ich war nicht die einzige, die sich beschwert hat, andere haben nach dem ersten bzw. zweiten Mal schon abgebrochen.))

 

Wie lange haben Sie an Ihrem ersten Buch geschrieben und was war das Schwierigste daran? 

 

Ich habe mit dem ersten Roman während des Fernstudiums bei der Textmanufaktur begonnen. Schon nach kurzer Zeit begann ich, die Aufgabenstellungen in Hinblick auf meine Romanidee zu bearbeiten. Am Ende hatte ich eine Sammlung verschiedener Kapitel, die ich anschließend dem Plot, den ich zwischenzeitlich mehrfach geändert hatte, anpassen musste. Das Schwierigste für mich war allerdings der Moment, Passagen zu streichen, die ich ursprünglich besonders schön fand, die sich im Laufe des Schreibens jedoch als überflüssig oder sogar irreführend herausstellten. Dieser Prozess des Loslassen, wenn die Lektorin den Vorschlag machte, etwas zu streichen, fiel mir sehr schwer, war aber sicher immer richtig.

 

Wie haben Sie einen Verlag gefunden? 

 

Ich hatte die Kontaktadressen mehrerer Verlage recherchiert. Durch meine jahrelange Arbeit für die verschiedensten Verlage haben sich Freundschaften über die Arbeit hinaus ergeben. Ich bat zwei von ihnen um ihren Rat und  erhielt den Tipp, mich bei Piper mit dem Exposé zu bewerben, das könnte „dort ganz gut reinpassen". Und so hatte mein allererster Versuch gleich Erfolg – sicher ein seltenes Glück.

 

Oft heißt es ja, das zweite Buch ist nochmal schwieriger zu schreiben, weil es so viele Erwartungen gibt – eigene oder auch vom Verlag. Wie war das bei Ihnen? 

 

Beim zweiten Roman habe ich die Anregung des Verlags aufgegriffen, die Coronathematik und -problematik einfließen zu lassen. Ich kann nicht behaupten, dass die Erwartungshaltung eine andere war, denn sie ist ständig vorhanden. Angefangen bei der Frage, ob der Verlag das Exposé befürwortet bis hin zu dem Punkt, wenn die Lektorin den ersten Durchgang abgeschlossen hat und so setzt sich das fort. Ich fand es beim zweiten Roman insgesamt nicht schwieriger, da mir einige Abläufe schon vertraut waren und so kannte ich auch meine eigenen Stolperstellen. Wie vorher schon gesagt, das Loslassen von bestimmten Textpassagen bis hin zu Kapiteln fiel mir beim zweiten Roman leichter als beim ersten, da ich wusste, es macht Sinn.

 

Gibt es etwas, das Sie während der Arbeit an Ihren Romanen übers Schreiben gelernt haben, und das völlig neu/ überraschend für Sie war? 

 

Was für mich eine äußerst interessantes Erlebnis war, dass ich mit den Romanfiguren „gelebt“ habe. Sie waren meine täglichen Begleiter, nicht nur beim Schreiben, sondern auch in meinem Alltag. Und es entwickelte sich mit der Zeit auch ein „Verständnis“ für die schwierigeren, unbeliebten Typen, sie wurden damit wieder sympatisch - wie im richtigen Leben eben auch manchmal.  Ich hatte auch  größten Spaß daran hatte, die manchmal etwas skurrilen Charaktere auszuarbeiten und ihr Auftreten, ihre Sprech- und Handlungsweise einzufangen. Manche entwickelten ein regelrechtes Eigenleben ...

 

Haben Sie einen Tipp für Debütautoren, die gerade an Ihrem Roman sitzen und sich nichts mehr als einen Verlagsvertrag wünschen? 

 

Was ganz sicher von großem Vorteil ist, den Verlag entsprechend der bisherigen Veröffentlichungen anderer Autoren zu analysieren. Wenn es Rubriken mit Titeln anderer Autoren gibt, denen der eigene Roman sich zuordnen lässt, sind die Chancen sicher gut, einen Vertrag zu ergattern. 
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